Seit dem 27.08.2010 sind wir auch Fernsehen (Regionalsender)
In Slubice - der ehemaligen Dammvorstadt Frankfurts halten sich täglich immer noch mehrere Tausend Deutsche auf, die vor allem zum Tanken kommen und um Zigaretten zu holen.
Die Stange Zigaretten kostet immer noch im Durchschnitt 20 € statt wie in Deutschland 40 und der Liter Benzin ist immer noch um 20-30 Cent preiswerter zu haben, bei gleicher Qualität. Die Tankstellen werden meist aus D. beliefert, die Industrie verdient auf Grund der geringeren Steuerzahl in PL immer noch mehr, als in D. - deshalb dieser Preis und auch etwas künstlich gewollt hochgeschraubt in FFO unter dem Motto - fahrt rüber :)
Die 2 bunten Bazare sind nach wie vor eine Attraktion, man bekommt alles, außer dem Essen natürlich nur nichts Echtes. Die Designermarken von Polo bis Ed Hardy laufen ein nach dem Waschen, verfärben und gehen kaputt, made in Asia eben, aber schön bunt am ersten Tag.
Zuspruch findet natürlich auch das nicht existierende Rauchverbot, gerade die vielen kleinen Kneipen leiden in FFO darunter - in Slubice sind die Dinger rappelvoll...
Und dann natürlich der Sommer. In Polen ist der Wald staatlich, also fahren alle rein in denselben und ran an den See. Und achten auch ohne Verbote und Tausend Schilder darauf, das er nicht abbrennt, gegrillt wird in Wassernähe, und das meist reichlich - ich bin also selten vom Baden hungrig nach Hause gefahren, auch wenn ich manchmal kein Kleingeld dabei hatte, mich zu bedanken. Dieses eingezäunte überzivilisierte und doch etwas heruntergewirtschaftete deutsche System fehlt da zum Glück noch, und wird wohl auch in 100 Jahren fehlen in Zentren der Natur.
Wer es dennoch möchte findet es in abgeschwächter Form:
5 km von Slubice bei Drzewin und der "Rancho" mit einem sehr kühlen See und Pferden
20 km von Slubice in Osno (Lebus, Gründungsstadt Preußens) im rustikalen Hotel mit Blockhäusern ( 4 Betten drin für zusammen 100 PLN= 25€) oder an der anderen Seite des Sees in der Aphrodite - einem fast typisch deutschen Wellnesshotel mit mehreren modernen Häusern.
40 km weiter in Lagow (7 km langer See) mit Zelt- und Campingplätzen. einem alten Kloster (unbedingt im Burgkeller essen gehen!) - Tretbooten für 2,50 € den ganzen Tag u.v.m.
Und man trifft auf Menschen, die natürlich geblieben sind, gastfreundlich, hilfsbereit und ein wenig hoffend, wenn man nicht gerade mit dem Fiat Uno anreist.
Ich erzählte einer Bäuerin unlängst von der ökologischen Schweinezucht, zeigte ihr praktisch alle Möglichkeiten, die sie da hat und wie sie das nutzen könne.
Sie verstand mich sehr gut und erzählte mir viel über die polnische und slawische Mentalität (die ich aber auch schon mehr als 10 Jahre kenne) und meinte zum Schluß - wenn Du herkommst und auf mich aufpaßt wird das was, wenn nicht, dann nicht. Denn früher (vorm Krieg) waren die Deutschen ja auch hier und wir hatten alles. Arbeit, Essen - Geld... jetzt sind sie - Touristen?
Ein Großteil des Landes liegt brach - ehemalige Kolchosen liegen stapelweise bei der Treuhand - das Land wird eventuell mitbestellt oder nicht, es fehlen an allen Ecken Investoren und mutige Menschen. Weniger die Heuschrecke, mehr der fleißige Junge vom Land - auch das ist eine Überlegung wert. Und natürlich der Urlaub hier - nach 20 Jahren Berlin ist meine Arbeit ja schon fast Urlaub - auf dem Weg zur Anmeldung nach Gorzow (Landsberg an der Warte) kommen wir an 2 Flüssen und 20 Seen vorbei - aber meine deutschen Kunden haben ja meist nie Zeit - alles schaut zur Uhr, statt zur Natur, dabei kann das Leben so einfach und schön sein :)
